Alle ArtikelProfi-Sport

    70 % der Kreuzbandrisse passieren ohne Gegnerkontakt

    20. März 20264 Min Lesezeit
    70 % der Kreuzbandrisse passieren ohne Gegnerkontakt

    GPS-Tracker. Herzfrequenzgurt. Kraftmessplatte. Schlaf-Tracking.

    Der Profisport misst fast alles. Und trotzdem passiert die teuerste Verletzung oft in einem Moment, den keines dieser Systeme erfasst.

    Der Moment ohne Gegner

    Ein Spieler sprintet, stoppt, will die Richtung wechseln. Niemand berührt ihn. Das Knie knickt nach innen weg. Kreuzband.

    Diese Szene ist keine Ausnahme. Rund 70 Prozent der Kreuzbandrisse passieren ohne Kontakt mit einem Gegenspieler. Das zeigt eine viel zitierte Übersichtsarbeit der amerikanischen Orthopäden-Gesellschaft (Griffin u. a. 2000).

    Was in diesem Moment fehlt, ist selten Kraft. Der Körper stabilisiert das Knie einen Sekundenbruchteil zu spät.

    Die Lücke im Athleten-Monitoring

    Moderne Leistungszentren wissen, wie viele Kilometer ein Spieler läuft, in welchen Pulszonen er arbeitet und wie gut er schläft. Was sie oft nicht wissen:

    • Wie präzise sein Nervensystem unter Ermüdung arbeitet.
    • Wie schnell er auf einen unerwarteten Reiz reagiert.
    • Ob das operierte Bein so schnell stabilisiert wie das gesunde.

    Das ist keine Datenlücke im klassischen Sinn. Es ist eine Messlücke. Und was nicht gemessen wird, wird selten gezielt trainiert.

    Athlet im Profil, konzentriert während des Koordinationstrainings
    Koordination entscheidet in Momenten, die keine Kraftmessung erfasst.

    Prävention wirkt, wenn sie systematisch ist

    Die gute Nachricht: Neuromuskuläre Kontrolle ist trainierbar. Die Studienlage dazu ist gut.

    70 %

    der Kreuzbandrisse passieren ohne Gegnerkontakt

    39 %

    weniger Verletzungen im Fußball mit FIFA 11+

    35 %

    weniger Sprunggelenksverletzungen durch propriozeptives Training

    Quellen: Griffin u. a. 2000, Thorborg u. a. 2017, Schiftan u. a. 2015.

    Was nicht funktioniert: das Wackelbrett einmal pro Woche zwischen zwei Krafteinheiten, ohne Steigerung und ohne Messung. Was funktioniert: Koordination als eigene Trainingsdisziplin, mit klarer Steigerung, regelmäßiger Messung und Protokollen, die sich wiederholen lassen.

    Schmerzfrei heißt nicht belastbar

    Besonders deutlich wird die Messlücke beim Comeback. Ein Athlet nach Kreuzbandriss ist irgendwann schmerzfrei. Er läuft, er springt, die Bilder sind gut.

    Aber reagiert sein Knie in einer Ausweichbewegung so schnell wie vor der Verletzung? Stabilisiert das operierte Bein so gut wie das gesunde?

    Ohne Messung ist die Antwort ein Gefühl. Mit Messung ist sie eine Zahl, die Athlet, Arzt, Physiotherapeut und Trainer gemeinsam bewerten können.

    Was ein System im Leistungszentrum können muss

    Diagnostik im Labor hilft wenig, wenn sie nur zweimal im Jahr stattfindet. Ein System für den Trainingsalltag muss drei Dinge können:

    1. Selbstgeführt laufen. Athleten starten ohne Spezialisten, der jeden Schritt begleitet.
    2. Reproduzierbar messen. Gleiche Übung, gleiche Bedingungen, vergleichbare Werte über Wochen und Monate.
    3. Sportartspezifisch sein. Ein Kampfsportler braucht andere Reize als ein Handballer.
    Athlet trainiert am ZAPCOOR, das Touch-Display zeigt das Trainingsprogramm
    Das Display führt durch die Einheit und zeigt den Fortschritt.

    ZAPCOOR bringt mehr als 500 Übungen mit, abgeleitet aus über 300 Sportarten. Das Touch-Display führt durch jede Einheit, der Fortschritt wird gemessen und sichtbar. Für Pre-Season, Saison und Reha-Phase im selben Gerät.

    Drei Fragen für Deinen Staff

    1. Wissen wir, wie schnell unsere Athleten nach einem Richtungswechsel stabilisieren?
    2. Vergleichen wir beim Comeback das verletzte mit dem gesunden Bein, und zwar mit Zahlen?
    3. Ist Koordination bei uns eine eigene Einheit oder ein Lückenfüller im Aufwärmen?

    Wenn eine dieser Fragen offen bleibt, liegt dort Potenzial. Mehr dazu auf der Seite Koordinationstraining im Profisport und auf der Themenseite Koordinationstraining.

    Häufige Fragen

    Warum reißen Kreuzbänder oft ohne Gegnerkontakt?

    Meist passiert es beim Landen, Abstoppen oder bei einem Richtungswechsel. Der Körper stabilisiert das Knie in diesem Moment einen Sekundenbruchteil zu spät. Das ist eine Frage der Kontrolle, nicht der Kraft.

    Senkt Koordinationstraining das Verletzungsrisiko?

    Die Studienlage ist gut. Das Aufwärmprogramm FIFA 11+ mit Gleichgewichts-, Sprung- und Kraftübungen senkt Verletzungen im Fußball um 39 Prozent. Propriozeptives Training senkt Sprunggelenksverletzungen um rund 35 Prozent.

    Reicht Schmerzfreiheit als Zeichen für die Rückkehr nach einer Verletzung?

    Als alleiniger Maßstab nicht. Sinnvoll ist ein Vergleich von verletztem und gesundem Bein mit wiederholbaren Tests. Die Entscheidung treffen Arzt, Physiotherapeut und Trainer gemeinsam.

    Was hat Neuroathletik damit zu tun?

    Neuroathletik trainiert die Informationen, mit denen das Gehirn Bewegungen steuert: Augen, Gleichgewichtsorgan und Körpergefühl. Was davon belegt ist, steht im Ratgeber Neuroathletik.

    Quellen

    Ratgeber

    Neuroathletik

    Augen, Innenohr, Körpergefühl: was belegt ist und was nicht.

    Zum Ratgeber