Für Studios und Praxen
Präventionskurs anbieten: 1,8 Millionen Teilnehmende im Jahr, und die Kasse zahlt mit
Fachlich geprüft von Annette Tiefenbacher, Physiotherapeutin · Stand 17. Oktober 2026
Jedes Jahr buchen mehr als 1,8 Millionen Menschen einen Präventionskurs. Wer an einem zertifizierten Kurs teilnimmt, kann sich einen Teil der Gebühr von seiner Krankenkasse erstatten lassen.
Wer einen zertifizierten Kurs anbietet, steht in den Kurssuchen der Kassen. Was dafür nötig ist, wie die Prüfung läuft und welche Regeln gelten, steht auf dieser Seite. Mit allen Quellen.

Das Wichtigste in Kürze
- Präventionskurse nach § 20 SGB V sind Gruppenkurse, deren Teilnahme die Krankenkassen bezuschussen, wenn der Kurs zertifiziert ist, meist mit 75 bis 100 Euro pro Kurs.
- Mehr als 1,8 Millionen Menschen nehmen jedes Jahr teil, 40 Prozent der Präsenzkurse besuchen Menschen über 60.
- Zertifiziert wird bei der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP), kostenfrei und für drei Jahre: Anbieter, Kursleitung und Kurskonzept.
- Kursleiten dürfen Fachleute, deren Fachkompetenzen zu mindestens 60 Prozent aus einem staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss stammen, etwa Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftler.
- Geräte dürfen höchstens die Hälfte des Kurses ausmachen. Anbieter mit wirtschaftlichem Interesse am Verkauf von Begleitprodukten sind ausgeschlossen.
Was ist ein Präventionskurs nach § 20 SGB V?
Ein Präventionskurs ist ein Gruppenkurs, der Krankheiten vorbeugen soll. Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen ihn für ihre Versicherten. Die Grundlage ist § 20 im fünften Sozialgesetzbuch, die Regeln stehen im Leitfaden Prävention der Kassen.
Es gibt vier Handlungsfelder: Bewegungsgewohnheiten, Ernährung, Stress- und Ressourcenmanagement sowie Suchtmittelkonsum. Koordinationstraining gehört zu den Bewegungsgewohnheiten. Dort zählen zwei Ziele: Bewegungsmangel verringern und speziellen gesundheitlichen Risiken vorbeugen, etwa im Muskel-Skelett-System.
Für den Teilnehmer läuft es einfach: Er zahlt die Kursgebühr beim Anbieter, nimmt teil und reicht die Bescheinigung bei seiner Kasse ein. Ist der Kurs zertifiziert, erstattet die Kasse je nach Satzung einen Teil, meist 75 bis 100 Euro pro Kurs.
1,8 Mio.
Teilnehmende pro Jahr
243 Mio. €
gaben die Kassen 2025 für Präventionskurse aus
40 %
der Präsenzkurse besuchen Menschen über 60
Drei Dinge prüft die ZPP
Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft im Auftrag der in der Kooperationsgemeinschaft zusammengeschlossenen Krankenkassen. Sie schaut nicht nur auf das Konzept, sondern auf das Zusammenspiel: Wer bietet an, wer leitet, was wird gemacht. Ein geprüftes Konzept allein reicht nicht.
1
Anbieter
Studio oder Praxis registriert sich mit eigenem Konto bei der ZPP. Die Prüfung ist kostenfrei, finanziert wird die Prüfstelle von den beteiligten gesetzlichen Krankenkassen.
2
Kursleitung
Mindestens 60 Prozent der geforderten Kenntnisse stammen aus einem staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss. Typisch: Physiotherapie, Sportwissenschaft, Sport- und Gymnastiklehrer. Wer ein fertiges Konzept nutzt, braucht dafür eine Einweisung.
3
Kurskonzept
Ein eigenes Konzept oder ein bereits geprüftes Standardkonzept, mit Stundenverlaufsplänen für jede Einheit: Einstieg, Hauptteil, Abschluss, mit Zeiten.
Quelle: Kriterien zur Zertifizierung, GKV-Spitzenverband, Januar 2026
ZPP-Zertifizierung: der Ablauf in fünf Schritten
Die Prüfung läuft komplett online im Portal der Prüfstelle. Kurse mit bestandener Prüfung tragen das Siegel „Deutscher Standard Prävention“.
- 1
Handlungsfeld klären
Koordinationstraining gehört zum Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten.
- 2
Konto bei der ZPP
Anbieter und Kursleitung legen ihr Konto im Portal der Prüfstelle an.
- 3
Qualifikation einreichen
Zeugnisse, Urkunden und Nachweise der Kursleitung hochladen.
- 4
Konzept einreichen
Eigenes Konzept mit Stundenplänen oder ein geprüftes Standardkonzept mit Einweisung.
- 5
Kurs anmelden
Termine, Gebühr und Gruppengröße eintragen. Nach bestandener Prüfung erscheint der Kurs mit Siegel in den Kurssuchen der Kassen.
Die Regeln für den Kurs
Ein Präventionskurs ist kein Dauerangebot und kein Gerätetraining. Er hat einen Anfang, ein Ende und ein Ziel. Die Teilnehmenden sollen danach selbst weitertrainieren können.
Für Studios mit Geräten sind zwei Regeln entscheidend: Geräte dürfen höchstens die Hälfte des Programms ausmachen. Und Anbieter mit wirtschaftlichem Interesse am Verkauf von Begleitprodukten sind ausgeschlossen. Ein Gerät ist also immer eine Station von mehreren, nie der ganze Kurs.
| Gruppengröße | höchstens 15 Personen |
|---|---|
| Umfang | 8 bis 12 Einheiten, je 45 bis 90 Minuten, in der Regel einmal pro Woche |
| Aufbau | Einheiten bauen inhaltlich aufeinander auf, keine Dauerangebote |
| Geräte | höchstens die Hälfte des Kurses, mit Ausgleichsübungen und Information zum Gerät |
| Bindung an Hersteller | ausgeschlossen: Kurse, die an Geräte bestimmter Firmen gebunden sind |
| Passive Methoden | ausgeschlossen, etwa Massagen |
| Gültigkeit | drei Jahre, danach kostenfreie Rezertifizierung |
Quelle: Leitfaden Prävention, Dezember 2025, Kap. 5.3 und 5.4.1
So viel erstatten die Kassen
Jede Kasse legt ihren Zuschuss selbst fest. Die meisten fördern zwei Kurse im Jahr. Manche verlangen, dass man bei mindestens 80 Prozent der Termine dabei war. Für Teilnehmende heißt das: Ein großer Teil der Kursgebühr kommt zurück.
| Kasse | pro Jahr bis | Hinweis |
|---|---|---|
| TK | 300 € | 2 Kurse pro Jahr |
| AOK Bayern | 300 € | bis 150 € pro Kurs |
| AOK Hessen | 400 € | bis 200 € pro Kurs |
| IKK classic | 180 € | 2 Kurse pro Jahr |
| Barmer | 150 € | 2 Kurse pro Jahr |
| DAK-Gesundheit | 150 € | 2 Kurse pro Jahr |
Stand Oktober 2026, Angaben ändern sich. Quelle: krankenkassen.de
Rechenbeispiel für ein Studio
1.200 €
Kurseinnahme je Durchgang und Kursleitung
Wichtiger als die Einnahme: Zehn Menschen sind acht Wochen lang bei Dir. Viele davon kommen über die Kurssuche ihrer Kasse und kennen Dein Studio noch nicht.
Beispielrechnung. Die Gebühr legt der Anbieter selbst fest.
So kann ein Kurs Koordinationstraining aussehen
Koordinationstraining passt gut in einen Präventionskurs: Es lässt sich in Einheiten gliedern, ist messbar und kann das Sturzrisiko senken. Ein Beispiel für acht Einheiten, aufgebaut entlang der koordinativen Fähigkeiten:
Einheit 1
Einführung und Eingangstest
Was Koordination ist, Einbein-Test, Ziele festlegen
Einheit 2
Gleichgewicht
Stehen auf kleiner Fläche, mit und ohne Halt
Einheit 3
Reaktion
Auf Signale schnell und sicher antworten
Einheit 4
Orientierung
Den eigenen Körper im Raum einordnen
Einheit 5
Differenzierung
Kraft und Tempo fein dosieren
Einheit 6
Kopplung und Umstellung
Bewegungen verbinden, auf Neues umschalten
Einheit 7
Rhythmus
Bewegung in einen Takt bringen
Einheit 8
Wiederholung und Abschlusstest
Fortschritt messen, Übungen für zu Hause

Wo ein Gerät wie ZAPCOOR hineinpasst
Als eine Station im Zirkel. Die Gruppe übt auf der Fläche mit der Kursleitung, ein oder zwei Teilnehmende trainieren gleichzeitig am Gerät und wechseln dann. So bleibt der Kurs Gruppentraining, und das Gerät macht nur einen Teil aus.
Der Vorteil am Gerät: Das Display zeigt nach jeder Einheit den Fortschritt. Eingangs- und Abschlusstest werden so für die Teilnehmenden sichtbar.
Der Kursplan ist ein Beispiel für den Aufbau, kein zertifiziertes Konzept. Für die Zertifizierung braucht es ausführliche Stundenverlaufspläne und eine qualifizierte Kursleitung.
Präventionskurs mit Koordinationstraining geplant?
Wir zeigen Dir, wie ZAPCOOR als Station in Deinen Kurs passt. Entwickelt und gebaut in Neu-Ulm, 2,30 × 1,00 Meter Stellfläche.
Häufige Fragen zum Präventionskurs
Was kostet die ZPP-Zertifizierung?
Nichts. Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft Anbieter, Kursleitungen und Kurse kostenfrei. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam finanziert. Kosten entstehen höchstens für ein fertiges Kurskonzept oder die Einweisung darin.
Wer darf einen Präventionskurs leiten?
Fachleute, bei denen mindestens 60 Prozent der geforderten Kenntnisse aus einem staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss stammen. Im Bereich Bewegung sind das typischerweise Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler sowie Sport- und Gymnastiklehrer. Die ZPP prüft die Nachweise im Einzelfall.
Wie viel zahlt die Krankenkasse für einen Präventionskurs?
Die Teilnehmenden zahlen die Kursgebühr und bekommen von ihrer Kasse einen Teil zurück, meist 75 bis 100 Euro pro Kurs. Viele Kassen fördern zwei Kurse im Jahr, die Jahreshöchstbeträge liegen meist zwischen 150 und 400 Euro, bei einzelnen Kassen auch darunter oder deutlich darüber. Manche Kassen setzen eine Teilnahme an mindestens 80 Prozent der Termine voraus.
Wie lange ist eine ZPP-Zertifizierung gültig?
In der Regel bis zu drei Jahre ab der Zertifizierung. Danach wird der Kurs rezertifiziert, ebenfalls kostenfrei.
Darf ein Präventionskurs an einem Trainingsgerät stattfinden?
Ja, aber nur zum Teil. Geräte dürfen höchstens die Hälfte des Kurses ausmachen, und Anbieter mit wirtschaftlichem Interesse am Verkauf von Begleitprodukten sind ausgeschlossen. Ein Gerät ist also eine Station von mehreren, nicht der ganze Kurs.
Wie groß ist eine Gruppe im Präventionskurs?
Höchstens 15 Personen. Ein Kurs hat 8 bis 12 Einheiten von je 45 bis 90 Minuten, in der Regel einmal pro Woche.
Quellen
- GKV-Spitzenverband: Leitfaden Prävention, Dezember 2025.
- GKV-Spitzenverband: Kriterien zur Zertifizierung von Präventionskursangeboten, Stand 06.01.2026.
- Verband der Ersatzkassen: Pressemitteilung zu Präventionskursen vom 02.07.2026.
- Verband der Ersatzkassen: Zentrale Prüfstelle Prävention.
- krankenkassen.de: Gesundheitskurse, Zuschüsse der Krankenkassen, abgerufen im Oktober 2026.